Klar gibt es Ausnahmen, aber dies ist meist nicht die Regel.

Es gibt nur wenige Branchen die so nervenzerreißend sind… Richtig, es handelt sich um die Gastronomie! Ein Gastronom hat komischerweise nie Geld. Verständlich…

Restaurants verkaufen keine monatlichen Abos oder haben Kunden mit einer festen Vertragslaufzeit.

Kurzum: Die Gastronomie ist unberechenbar.

Klar gibt es Ausnahmen, aber dies ist meist nicht die Regel.

Und hier beginnt auch schon die Story

Diesen Sommer waren wir mit dem gesamten Team zu einer Vortragsreihe in Berlin eingeladen.

Vor der Veranstaltung flanierten wir noch in den gepflegten Seitenstraßen Prenzlauer Bergs und wollten zur Mittagszeit etwas essen, um uns im Anschluss gestärkt auf unsere Vorträge vorzubereiten.

Auf der Suche nach etwas Essbarem, entdeckten wir auf dem Weg ein kleines, ausgefallen eingerichtetes Restaurant. Die Entscheidung fiel schnell.

Man muss dazu sagen, Prenzlauer Berg hat schon lange an Charme verloren, die coolen Berliner Läden sind entweder weggezogen oder Pleite gegangen. In keinem anderen Ort Berlins, haben wir so viele Geschäftsinhaber im eigenen Laden sitzen sehen.

Aber dieses kleine gemütliche Lokal hatte es irgendwie in sich!

Also gaben wir dem Laden eine Chance und spazierten hinein. Der Inhaber, wie wir später feststellten, begrüßte uns persönlich und führte uns zum Tisch.

Es folgt KEINE Speisekarte.

Der Küchenchef kam zu uns an den Tisch und fragte uns nach unseren persönlichen Vorlieben. Daraufhin empfahl er jedem ein individuell, auf den Geschmack der Person, zugeschnittenes Gericht.

……Wie geil ist das denn?!

Nach ca. 20 min servierte uns dann der Inhaber das Essen. Und zu unserer Überraschung trafen die Speisen noch voll unseren Geschmack!

„Einer von wenigen Gastronomen der sich Gedanken gemacht hat“ dachten wir uns.

Nichts desto trotz hatte ich ein merkwürdiges Gefühl. Irgendetwas passte nicht ins Bild…. Dann nach kurzer Zeit kam die Erleuchtung!

Es war 15 Uhr und wir waren die einzigen Gäste!

Plötzlich entfachte eine Diskussionsrunde…

Der Laden wurde zum Top-Thema und die Vorbereitung für unsere Vorträge waren vorerst vom Tisch.

Unsere Marketer Sinne hatten uns gepackt und eine Idee nach der anderen kam rausgeschossen. Es handelte sich dabei um Vermarktungsideen für das Restaurant und was man alles in Szene setzen könnte. Wir witzelten nebenher und diskutierten intensiv.

By the Way: Es tut manchmal wirklich weh. Man entdeckt einen coolen Laden und die Geschäftsführung weiß werbetechnisch nicht damit umzugehen. Stattdessen wird nur IM und nicht AM Restaurant gearbeitet.

Ich konnte diesen Zustand nicht ertragen und stellte den Inhaber später, nachdem wir bezahlt hatten zur Rede.

Wir lobten ihn fürstlich für den Service und das Essen. Dann fragte ich ihn, wieso denn der Laden um die Uhrzeit so schlecht besucht ist (Selbstverständlich formulierte ich diese Frage anders).

Daraufhin holte er weit aus und erzählte uns erstmal, wie lange er das Lokal schon betreibt und wie undankbar denn die Gäste seien und dass er nicht nachvollziehen kann, wieso der günstige Asiate nebenan immer so brechend voll ist, wenn er sich selbst doch immer so viel Mühe gibt und einen sehr hohen Qualitätsstandard hat.

„Der Asiate lockt mit günstigen Preisen und kommuniziert das so nach außen.

Es ist nahezu unmöglich die knallig pinken Preisschilder –Mittagstisch 3,50 € – zu übersehen und was machst du um Gäste in dein Geschäft zu locken?“

Als Antwort bekamen wir zu hören, dass er nur gelerntes Personal hat und auf die Kreativität und Qualität seiner Speisen setzt. Es ist einfacher Gäste mit günstigen Dumping-Preisen zu locken, als mit Qualität und etwas höheren Preisen hervorzustechen, ganz klar.

Wir stellten uns als Werbeagentur vor und bestätigten ihm, dass er einen tollen Laden mit sehr viel Potenzial hat, aber dieser nicht wahrgenommen wird, solange er keine Marketingmaschinerie in Bewegung setzt. Es folgten die üblichen Standardsätze… Ich habe doch ein Facebook Account und da poste ich Bilder. Ich zückte mein Smartphone, fand den Laden und sah Fotos, die wahrscheinlich mit einem Smartphone geschossen wurden.

Kein Konzept und keine Aussage hinter den unprofessionellen Bildern. Das Fotomaterial spiegelt nicht annährend den Laden wider – im Gegenteil, sagte ich ihm. Um ein Geschäft voranzutreiben reichen nicht paar Fotos auf Facebook und Instagram.

Anscheinend legten wir in dem Moment einen Schalter um und der Chef wollte sofort einen Preis von uns hören.

Das geht natürlich nicht so schnell. Wir müssen ein Konzept ausarbeiten, dazu gehört Vorarbeit, Recherche und Analyse, teilten wir ihm mit.

Da wir das Projekt als spannend empfanden, beschäftigten wir uns dann die Woche darauf damit.

Es kam zu einem ersten Treffen, die Kampagnen wurden ihm vorgestellt und fanden großen Anklang bei ihm. Die Tage darauf erhielt er dann ein Angebot von uns.

Wie ich schon am Anfang des Artikels erwähnt habe, hat ein Gastronom nie Geld.

In dem Fall kam noch die klassisch, überzogene Prenzlauer Berg Miete on top, die einem Geschäftsinhaber verständlicherweise schlaflose Nächte bereitet.

All in all wollte er den Preis um gefühlte 90% drücken.

Seit Gründung der Agentur betreuen wir auch Restaurants und kennen die realistischen Budgets für Gastronomen.

Gerne hätten wir das Projekt auch ehrenamtlich angepackt. Aber erklär das mal deinen Mitarbeitern…

Es kam unsererseits zu keinem Deal. Marketing kann man nicht anfassen und Werbung ist auf dem ersten Blick nicht messbar, denken viele. Aus dem Grund weigern sich vor allem kleine und mittlere Unternehmen ein gewisses, angemessenes Marketingbudget freizugeben.

Werbung darf nicht unterschätzt werden! Vor allem zu unserer Zeit.

Um das Restaurant trotzdem irgendwie zu unterstützen, empfahl ich es in meinem Netzwerk weiter und war auch noch öfters als Gast anwesend.

Den Lauf der Dinge kann man bis zu einem bestimmten Grad beeinflussen aber, wenn es zu spät ist es zu spät.

Alles nahm seinen Lauf.

Ca. 6 Monate nach unserem Treffen musste er schließen.

Er schaffte es nicht seine Umsätze zu erhöhen und verschiedene Gläubiger ließen nicht locker.

Das Geschäft überließ er einem anderen Gastronomen, der das Konzept Schlüsselfertig übernahm und daran auch nichts änderte. Trotzdem machte er etwas anders.

Die folgende Textpassage ist jetzt ganz wichtig:

IM Restaurant (Konzept, Küche, Service) veränderte er nichts. Er änderte etwas AM Restaurant.

Durch die freundschaftliche Beziehung, die wir über die Zeit mit dem Vorbesitzer aufgebaut hatten, wurden wir als Agentur an den Nachbesitzer weiterempfohlen.

Und der fackelte nicht lange. Gemeinsam fuhren wir schwere Marketinggeschütze auf und es ging mit Vollgas los!

Aktueller Stand: Es ist fast unmöglich bei einem spontanen Besuch am Wochenende einen Tisch zu bekommen.

Die Freundschaft zu dem Vorbesitzer pflegen wir selbstverständlich immer noch. Ohne seine Zustimmung wäre dieser Blogartikel auch nicht entstanden. Er hat aus der Situation gelernt und durfte nun (leider) am eigenen Beispiel erleben, wie man es besser machen kann.

An dieser Stelle,

Werbung gehört zum Produkt wie der elektrische Strom zur Glühbirne, wie Charles Paul Wilp einst sagte oder….

Mache etwas gutes und lasse es jeden Wissen!

In unseren Blog Beiträgen informieren wir Sie immer wieder gerne über Trends, Tipps und Know-How aus der Entrepreneurship und Marketing Szene.